Kategorie: Allgemein

  • Neue Ideen für die Schweizer Medienpolitik

    Neue Ideen für die Schweizer Medienpolitik

    Am 28. Oktober organisierte der Verband der Medienzukunft (VMZ) eine offene Diskussionsrunde zur aktuellen medienpolitischen Situation. Nach Inputs von Dennis Bühler (Journalist bei der «Republik» und Vorstandsmitglied des VMZ) und Olga Baranova (CH++ und Deligierte VMZ Medienpolitik) wurden zahlreiche kreative und vielversprechende Vorschläge zur Förderung und Regulierung des Medienmarktes eingebracht und besprochen. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ideen und Anregungen.

    1. Vektorneutrale Förderung

    Alle Teilnehmenden waren sich einig: Die Medienlandschaft benötigt eine langfristige, kanalunabhängige Förderung, die alle Medienformen – Print, TV, Radio und insbesondere Online-Medien – gleichermassen unterstützt. Während traditionelle Medien von öffentlicher Förderung profitieren, stehen viele digitale Formate bislang ohne finanzielle Unterstützung da, was die mediale Vielfalt gefährdet. Eine vektorneutrale Förderung könnte gezielt den Lokaljournalismus stärken und so zur Erhaltung eines pluralistischen Informationsangebots beitragen. Dies ist klar das langfristige Ziel.

    2. Kommunale und kantonale Medienförderung

    Mittelfristig soll über die Einführung einer städtischen und kantonalen Medienförderung nachgedacht werden. Solche Programme könnten lokal ansässige Medien unterstützen, insbesondere in Regionen, in denen durch Sparmassnahmen die mediale Berichterstattung stark eingeschränkt ist. Städtische und kantonale Fördermittel könnten gezielt kleine, regionale Anbieter stärken und zu einer besseren Berichterstattung vor Ort beitragen.

    3. Einrichtung eines staatlichen Fonds mit unabhängiger Verwaltung

    Ein weiterer Vorschlag war die Schaffung eines staatlichen Medienfonds, der durch eine unabhängige Kommission verwaltet wird. Die Fördermittel könnten nach dem «Pay-Per-Publication»-Prinzip vergeben werden, das heisst, für veröffentlichte Beiträge könnten Medienunternehmen nachträglich finanziell unterstützt werden. Durch die unabhängige Verwaltung würde sichergestellt, dass die Mittel neutral und bedarfsgerecht verteilt werden, was besonders kleineren Medienhäusern zugutekommen könnte.

    4. Förderung der Gemeinnützigkeit im Journalismus

    Um eine grössere finanzielle Unabhängigkeit und geringeren wirtschaftlichen Druck zu erreichen, wurde die Förderung gemeinnütziger Strukturen im Journalismus diskutiert. Dies könnte Medienunternehmen steuerliche Vorteile bringen und es ihnen erleichtern, sich auf Spenden und Fördermittel von Privatpersonen, Stiftungen oder öffentlichen Institutionen zu stützen. Der Zugang zu diesen Geldern bleibt jedoch eine Herausforderung, und es bedarf gezielter Anreize, um gemeinnützigen Journalismus zu stärken.

    5. Beiträge von Telekommunikationsanbietern einfordern

    Ein weiterer innovativer Vorschlag ist die Einführung einer Abgabe für Telekommunikationsunternehmen wie Salt und Sunrise, die von den journalistischen Angeboten der Medien profitieren, wenn sie Internetabonnements verkaufen. Dies ist inspiriert von Regelungen wie der «Lex Netflix», die ähnliche Abgaben von Streaming-Anbietern verlangen. Solche Beiträge könnten als ergänzende Einnahmequelle für den Mediensektor dienen.

    6.Umstrukturierung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA

    Eine Neuorganisation der Keystone-SDA in eine Stiftung könnte Interessenkonflikte innerhalb der Eigentümerstruktur vermeiden. Derzeit sind viele Verlagshäuser sowohl Kunden als auch Eigentümer der Agentur, was in Krisenzeiten zu widersprüchlichen Zielen führen kann. Eine Stiftungslösung könnte die Unabhängigkeit der Agentur stärken und dafür sorgen, dass das Angebot auch für kleine und unabhängige Medien finanziell erschwinglich wird.

    7. Stärkung des VMZ für effektiveres Lobbying

    Um politische Veränderungen auf medienpolitischer Ebene aktiv voranzutreiben, wurde die Notwendigkeit betont, den VMZ mit mehr Ressourcen auszustatten. Eine bessere Ausstattung würde es dem VMZ ermöglichen, die Interessen unabhängiger Medien intensiver zu vertreten und gezieltes Lobbying für medienpolitische Reformen zu betreiben.

    8. Regulierung von KI-Plattformen

    Zum Schutz der Integrität journalistischer Inhalte und zur Sicherung der Arbeitsplätze wurde die Bedeutung einer umfassenden KI-Regulierung hervorgehoben. Der Einsatz von KI-Systemen in der Berichterstattung und bei der Content-Erstellung könnte die Medienbranche massiv verändern. Eine sinnvolle Regulierung soll sicherstellen, dass KI-Anwendungen ethischen Standards entsprechen und ihre Nutzung transparent gestaltet wird, um den journalistischen Qualitätsanspruch zu wahren. Zudem soll eine gerechte Regulierung dafür sorgen, dass die Nutzung von journalistischen Inhalten – besonders bei KI-Plattformen – entsprechend vergütet wird.

  • KI-Tools im journalistischen Alltag: So war der Austausch bei Google

    KI-Tools im journalistischen Alltag: So war der Austausch bei Google

    Ende September organisierte der Verband Medien mit Zukunft (VMZ) gemeinsam mit Google Schweiz einen Austausch zum Einsatz von KI-Tools im Journalismus. Expert:innen wie Susan Boos vom Schweizer Presserat und Technologie-Spezialist:innen von Liip und Google teilten ihre Erkenntnisse und gaben praxisnahe Einblicke. Dafür fanden über 30 Medienvertreter:innen den Weg in die Europaallee in Zürich.

    Susan Boos eröffnete den Nachmittag mit einer Vorstellung des Leitfadens des Presserats zur Nutzung von KI-Tools im Journalismus und berichtete dabei von problematischen sowie grenzwertigen Fällen. Sie betonte die immense Bedeutung von Transparenz gegenüber den Leser:innen beim Einsatz dieser Technologien. Zudem wies sie darauf hin, dass keine vertraulichen, persönlichen oder sensiblen Daten in KI-Programme eingegeben werden dürfen. Trotz des Einsatzes von KI-Tools müsse die journalistische Arbeitsweise dieselbe bleiben – orientiert an der Suche nach der Wahrheit und im korrekten Umgang mit Quellen, wie es auch im Leitfaden des Presserats festgehalten ist.

    Die Technologieexpert:innen Stephanie Grubenmann und Stefan Huber von der Agentur Liip erläuterten die Funktionsweise von KI-Tools und deren Potenziale im Journalismus. Sie erklärten, wie KI-Chatbots aufgebaut sind, gaben einen Überblick über kommerzielle und offene KI-Modelle und referierten über deren Einsatz in den Bereichen «Ideenfindung/Themensetzung», «Recherche», «Produktion», «Publikation» und «Interaktion». Zum Beispiel könnten sie beim Korrekturlesen oder in der Anpassung eines Textes an das Sprachniveau der Leser:innen sehr nützlich sein. Ihr Fazit zur Anwendung der Tools lautete: «Es braucht eine kritische Offenheit.» Es sei entscheidend, dass Journalist:innen sich die nötigen Kompetenzen in einem sicheren Umfeld aneignen, in dem sie Verantwortung übernehmen.

    Luisa Magdalena Fernau stellte als GNI Teaching Fellow bei Google das «Journalist Studio» vor, das eine Reihe von auf KI-Technologie basierenden Programmen für den journalistischen Alltag bietet. Dazu zählen unter anderem «Pinpoint», ein Tool zur Vereinfachung von Recherchen mit umfangreichen Datenmengen, sowie der «Fact Checking Explorer», der bei der Verifizierung von Nachrichten auf sozialen Medien unterstützt. Fernau betonte, dass die Daten je nach Bedarf geschützt werden können und viele dieser Tools kostenlos verfügbar sind.

    Der Event bei Google war der Teil der Austauschreihe «Hilfe zur Selbsthilfe», welche der VMZ gemeinsam mit We.Publish organisiert: Für Vertreter:innen unabhängiger Medien organisieren wir monatliche Veranstaltungen in Form von Remote-Inputs, Workshops oder Podien. Dabei sind es oft die Teilnehmenden selbst, die von ihrem Alltag berichten und Best-Practices-Beispiele zeigen. Die Teilnahme ist kostenlos, finanziert wird die Reihe von der Stiftung Mercator Schweiz.

  • Medienförderung: es ist fünf vor zwölf

    Medienförderung: es ist fünf vor zwölf

    Der Verband Medien mit Zukunft (VMZ) begrüsst den Ausbau der indirekten Presseförderung, sieht diese aber nicht als langfristige Lösung. Die Streichung des Beitrags an die Stiftungs- und Mitgliedschaftspresse ist bedauerlich – hier muss der Ständerat korrigieren.

    Es ist erfreulich, dass sich der Nationalrat hinter den Ausbau der indirekten Presseförderung gestellt hat. Doch eines muss nun klar werden: Nur Printmedien zu fördern, während Onlinemedien aussen vor bleiben, ist längst nicht mehr zeitgemäss.

    Tamedia schliesst ihre Druckereien und in Deutschland hat die Zeitung «taz» kürzlich die Einstellung ihrer täglichen Printpublikation bekanntgegeben. Das beweist: Eine ausschliessliche Printförderung hat keine Zukunft. Dies zeigt sich auch am Nutzungsverhalten der Leser:innen. Gemäss dem Forschungsinstitut für Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich bezeichnet rund die Hälfte der Schweizer:innen digitale Kanäle als ihre wichtigsten Informationsquellen.

    Eine vektorneutrale Förderung, die darauf ausgelegt ist, die Medienvielfalt zu fördern, ist dringlich. Dies spürt der VMZ bei seinen Mitgliedern: In den letzten Jahren mussten mehrere Medien Spendenaufrufe starten, um sich über Wasser zu halten. Tragischerweise mussten dennoch einige ihr Ende verkünden, so zuletzt das Kulturmagazin «Kultz» oder das Wissenschaftsmedium «Higgs».

    Darum begrüsst der VMZ ausdrücklich die Überweisung der Motion der KVF-N zur Einführung einer kanal- und geschäftsmodellunabhängigen Medienförderung. Der Verband hofft, dass auch der Ständerat diese Motion überweist und Bundesrat Rösti schnell eine entsprechende zukunftsgerichtete Journalismusförderung aufgleist. Der VMZ bedauert hingegen, dass der Betrag für die Stiftungs- und Mitgliedschaftspresse vollständig gestrichen werden soll. Davon sind mehrere unserer Mitglieder betroffen, was für sie verheerende Auswirkungen haben könnte. Hier sollte der Ständerat eine Korrektur vornehmen.

    Journalismus ist zu wichtig für unser Zusammenleben, als dass er aufs Spiel gesetzt werden darf. Ohne zukunftsträchtige politische Lösungen wird die Medienvielfalt weiter rasant abnehmen. Angesichts zunehmender Desinformation ist dies auch ein wachsendes Sicherheitsrisiko. Und nicht zuletzt ist es vor allem eine Gefahr für unsere Demokratie.

    Camille Roseau, Co-Präsidentin VMZ: «Dieser Entscheid heute kann nur ein Zwischenschritt sein. Der VMZ vertritt sowohl Print- als auch Onlinemedien. Und wir sind uns einig: Eine vektorneutrale Förderung ist längst überfällig.»

  • Event bei Google Schweiz: Künstliche Intelligenz im Journalismus

    Event bei Google Schweiz: Künstliche Intelligenz im Journalismus

    KI-Tools im Journalismus sind heikel. Sie bergen das Risiko, das Vertrauen der Leser:innen zu mindern, können aber auch wertvolle Unterstützung bieten, zum Beispiel bei Recherchen. Wie gelingt ein guter Umgang?

    Im Rahmen der Austauschreihe «Hilfe zur Selbsthilfe», die wir mit We.Publish organisieren und die von Mercator Foundation Switzerland unterstützt wird, wollen wir uns mit der Anwendung von KI-Tools im Journalismus auseinandersetzen. Am 23. September werden wir bei Google an der Europaalle zu Gast sein, wo es folgende Inputs geben wird:

    Zunächst wird Susan Boos, Präsidentin des Schweizer Presserats, die ethischen Richtlinien für den verantwortungsvollen Einsatz von KI in Medienhäusern skizzieren.

    Danach geben Dr. Stephanie Grubenmann und Stefan Huber von Liip einen praxisnahen Einblick in KI-Tools, die den journalistischen Workflow optimieren, und zeigen auf, wie Redaktionen ihre Teams auf KI vorbereiten können.

    Abschliessend wird Luisa Magdalena Fernau, GNI Teaching Fellow bei Google, das Journalist Studio vorstellen – eine Sammlung von KI-Tools für Redaktionen, die Fact-Checking, erweiterte Recherche und Datenanalysen erleichtern.

    Dazu wird es Raum für Fragen und Diskussionen geben. Der Event beginnt um 14:30 Uhr im Google-Hauptsitz an der Europaallee in Zürich.

    Die Teilnahme ist für Medienschaffende kostenlos. Wer sich dafür interessiert, darf sich gerne bei per Mail bei Kai Vogt (kai.vogt@medienmitzukunft.org) melden.

  • Podium in St. Gallen: Alltag im Kulturjournalismus

    Podium in St. Gallen: Alltag im Kulturjournalismus

    Chronischer Geldmangel, fehlender Nachwuchs und kaum noch Freischaffende, diffuse Seilschaften und Erwartungshaltungen, hohe Kompetenzanforderungen und tiefe Klickzahlen – Kulturredaktionen haben es mit diversen Herausforderungen zu tun.

    Wie gehen Kulturjournalist:innen im Alltag damit um? Welche Lösungsansätze und Initiativen gibt es? Und wie können wir voneinander lernen? In Kooperation mit dem VMZ (Verband Medien mit Zukunft) diskutieren Fachleute über Realitäten und Rezepte für einen attraktiven Kulturjournalismus.

    Wann: 21.9.24 um 16 Uhr

    Wo: Hauptpost St.Gallen, genauer Raum tbd

    Mit: Susanne Kübler (Dozentin MAZ Kulturjournalismus, Tonhalle Zürich, ehemals Tages-Anzeiger), Julia Nehmiz (Appenzeller Zeitung) und weiteren Gästen.

    Moderation: Corinne Riedener (Redaktorin Saiten und Vize-Präsidentin VMZ)

    Hier geht es zum ganzen Jubiläumsevent von Saiten.

  • Auch baba news kämpft ums Überleben

    Auch baba news kämpft ums Überleben

    Nach dem P.S. ist ein weiteres VMZ-Mitglied ins Schlittern geraten: baba news. Auf ihrem Instagram schreibt das Medium:

    «Ab dem 01. Juli 2024 werden wir bis auf unabsehbare Zeit keine neuen Inhalte produzieren. Wir werden unsere Arbeitskraft nutzen, um Member zu gewinnen und neue Partnerschaften und Finanzierungsmodelle zu erarbeiten.»

    Zudem heisst es: «Ein Grund für unsere tiefen Abozahlen (trotz hohen Engagementraten) ist auch hier, dass baba news-Leser*innen tendenziell unterprivilegiert (jung und migrantisch) sind.»

    Der VMZ hofft auf möglichst viele Spender:innen und neue Abonnent:innen. Erneut zeigt sich, wie schwierig der Erhalt eines Onlinemediums in der Medienkrise ist. Und erneut steht die Medienvielfalt auf dem Spiel.

  • Beschlossene Senkung der SRG-Gebühren ist fahrlässig

    Beschlossene Senkung der SRG-Gebühren ist fahrlässig

    Mit der Senkung der Radio- und TV-Gebühr auf 300 Franken schwächt der Bundesrat den Service public und damit die Grundversorgung der Bevölkerung mit gesicherten Informationen. In einer Medien- und Informationskrise auf die Gefahr der Halbierungsinitiative so zu reagieren, ist unverantwortlich und durch die Bestimmung auf Verordnungsebene undemokratisch. 

    Der Verband Medien mit Zukunft VMZ begrüsst zwar, dass der Bundesrat die Halbierungsinitiative klar ablehnt. Die dort verlangte Senkung der Radio- und TV-Gebühren auf 200 Franken würden zu grossen Abstrichen bei der SRG führen und ihr verunmöglichen, ein qualitativ hochstehendes Angebot für alle Sprachregionen zu leisten. Dies würde den Medienplatz Schweiz massiv schwächen. Der VMZ kritisiert aber, dass der Bundesrat mit einer Gebührensenkung auf 300 Franken den Initiant:innen entgegenkommt. Diese Gebührensenkung zwingt die SRG ohne Not zu einem spürbaren Abbau. Der Vorschlag wurde zudem in der Vernehmlassung breit kritisiert – so auch vom VMZ.

    Dieser «Gegenvorschlag» ist nicht nur unnötig und schädlich, er ist auch politisch wirkungslos, da die Initiant:innen ihre Initiative nicht zurückziehen werden und weitere Angriffe auf die SRG damit auch kaum gebremst werden. 

    Die Medienlandschaft der Schweiz befindet sich seit längerem schon in der Krise. Eine Schwächung der SRG schadet der gesamten Medienbranche und führt zu einer Schwächung des journalistischen Angebots. Eine gut informierte Bevölkerung ist jedoch die Basis jeder gesunden Demokratie. Der mediale Service public ist der Garant dafür, dass alle Sprach- und Randregionen der Schweiz sowie alle Bevölkerungsgruppen Zugang zu unabhängigen, qualitativ hochstehenden Informationen haben.

    Der VMZ ist auch klar der Ansicht, dass die SRG den privaten Medien nicht schadet – vielmehr im Gegenteil. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein gut finanzierter und rege genutzter medialer Service public das Vertrauen der Gesellschaft in die Medien stärkt und die Zahlungsbereitschaft für die privaten Angebote zunimmt. 

    «Der VMZ ist entschieden gegen jegliche Gebührensenkung und Kürzung bei der SRG. Eine Schwächung der SRG bringt den privaten Medien nichts, schwächt aber die mediale Versorgung und damit die Demokratie», so Camille Roseau, Co-Präsidentin VMZ. Für die Medien gäbe es weitaus wichtigere und sinnvollere Massnahmen. «Wir setzen uns vor allem dafür ein, dass Journalismus gefördert wird, unabhängig vom Kanal», meint Simon Jacoby, Co-Präsident VMZ. Der VMZ unterstützt daher kurzfristig sowohl die Erhöhung der indirekten Presseförderung wie auch die Einführung einer Förderung von Online-Medien. Mittel- bis längerfristig sollte das heutige System durch eine kanalunabhängige Journalismusförderung übersetzt werden. 

  • 25 Jahre P.S.: VMZ-Mitglied kämpft ums Überleben

    25 Jahre P.S.: VMZ-Mitglied kämpft ums Überleben

    Die anhaltende Medienkrise zwingt das P.S., Geld zu sammeln, um ihre wichtige Rolle in Zürichs Medienlandschaft zu sichern. Der VMZ hofft auf viele Spender:innen und sieht die Nachricht als Signal an die Politik.

    Schlechte Nachrichten zum Geburtstag: Das Lokalmedium P.S. feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen, doch es könnte das letzte Jubiläum sein. Denn das VMZ-Mitglied leidet erheblich unter der Medienkrise. «Die Produktionskosten sind gestiegen, der Papierpreis, Versand und die Personalkosten ebenso. Mit diesen Problemen sind wir in der Medienbranche nicht alleine, als unabhängige, kleine Lokalzeitung setzen sie uns aber besonders stark unter Druck», schreibt das Medium auf seiner Website.

    Damit sich das P.S. weiterhin guten Lokaljournalismus leisten kann und die Medienbranche nicht eine wichtige linke Stimme in Zürich verliert und Redaktor:innen und Verlagsmitarbeiter:innen ihre Arbeitsplätze, wurde nun ein Crowdfunding gestartet. Das Ziel: Mindestens 150.000 Franken, idealerweise aber noch mehr.

    Der VMZ hofft auf möglichst viele Spender:innen und neue Abonnent:innen. Die Nachricht des P.S. versteht der VMZ auch als Signal an die Politik: Die Medienkrise bleibt ungelöst und die Medienvielfalt steht auf dem Spiel.

  • Ein Austausch, der wirkt

    Ein Austausch, der wirkt

    Die Austauschreihe von VMZ und We.Publish, die von der Stiftung Mercator Schweiz unterstützt wird, trägt Früchte: Die ersten Events wurden rege besucht, die Vielfalt der teilnehmenden Medien ist hoch. Nun steht bereits die vierte Veranstaltung an.

    Mitte April ging es um das Thema Cybersecurity: Tom Hofmann, der als Chief Information Security Officer beim Kanton Zürich arbeitete, klärte Vertreter:innen verschiedener Medien über Risiken im Netz und wirksame und günstige Schutzmassnahmen auf. Dabei hat sich gezeigt, dass man schon mit wenig Ressourcen viel machen kann, etwa in Form eines Passwortmanagers oder der Nutzung eines YubiKey. Der Workshop ging drei Stunden lang und endete in einem gemeinsamen Apéro. 

    Dabei ist die Teilnahme für die Medien stets kostenlos und grundsätzlich für alle offen. Hintergedanke dieser Austauschreihe ist es, «Hilfe zur Selbsthilfe» anzustossen. Denn die Medien, besonders die kleinen und konzernunabhängigen, haben immer mehr Mühe, sich über Wasser zu halten. Sich in dieser Lage Weiterbildungen für die Mitarbeiter:innen zu leisten und mit den Branchenentwicklungen Schritt zu halten, ist für viele schwer machbar. 

    Und ein zweiter, vielleicht noch wichtigerer Aspekt der Eventreihe, ist das Zusammenkommen und Vernetzen verschiedenster Medien. Denn in der von Mercator mandatierten Studie «Explorative Analyse: Unterstützung für den Schweizer Lokaljournalismus» (2022) haben Stephanie Grubenmann und Konrad Weber festgestellt, dass unter kleinen, unabhängigen Verlagen im Schweizer Lokaljournalismus zu wenig Austausch stattfindet. Sie bewegen sich vor allem in den bestehenden Communities, womit Erfahrungswissen zu wenig über die Mediengattungsgrenzen hinweg fliesst. Dies möchte die Austauschreihe ändern. 

    Der Veranstaltung zur Cybersecurity vorangegangen sind einerseits eine Diskussion zum Thema Revenue Streams, wobei fünf verschiedene Medien ihre Geschäftsmodelle präsentierten. Mit von Partie waren etwa «Portal 24», «Tsüri.ch» oder auch der «Bote der Urschweiz». Und andererseits ging es um die Transformation ins Digitale. Dabei hat Martin Oswald, Leiter Sparte Regionalmedien bei Galledia, erklärt, wieso das Medienunternehmen stark auf das E-Paper setzt, und die «Republik» hat offengelegt, wie sie neue Abonnent:innen anwirbt und versucht zu halten. 

    Im Mai steht bereits der nächste Austausch an, bei der der Fokus auf dem Lokaljournalismus liegt. Die Fachhochschule Graubünden wird eine neue Studie mit dem Titel «Lokaljournalismus und Gemeindekommunikation» vorstellen. Zudem haben wir zwei spannende Referent:innen: Annette Schär, Kommunikationsberaterin und ehemalige Chefredaktorin der «Maurmer Post», und Timo Züst, Chefredaktor der «Tüüfner Posscht» erzählen von ihren Erfahrungen in den Lokalmedien und vom Verhältnis von Gemeinde und Medium.

    Weitere Veranstaltungen sind bereits in Planung, etwa zum Thema Medienförderung, künstliche Intelligenz oder ungesunde Führungskultur im Journalismus. Neben den Veranstaltungen wurde auch eine Plattform aufgesetzt, wo sich alle Teilnehmer:innen vernetzen können. 

    Wer sich für eine Teilnahme am Austauschformat interessiert, darf sich gerne an Kai Vogt von der Geschäftsstelle wenden (kai.vogt@medienmitzukunft.org).



  • Desinformation im Fokus

    Desinformation im Fokus

    Gemäss dem Global Risks Report des WEF ist Desinformation die weltweit grösste Bedrohung in den kommenden zwei Jahren: «Der Zusammenhang zwischen Falschinformationen und gesellschaftlichen Unruhen wird bei den Wahlen, die in den nächsten zwei Jahren in mehreren grossen Volkswirtschaften anstehen, im Fokus sein.» Für den Report hat das WEF 1’400 Expert:innen und Entscheidungsträger:innen aus Politik und Wirtschaft befragt.

    Desinformation kann die Glaubwürdigkeit von Institutionen schwächen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt erodieren lassen und wird als Mittel der Kriegsführung eingesetzt. Medien erhalten darum vermehrt auch eine sicherheitspolitische Bedeutung. Doch wie beeinflussen unabhängige Medien die sicherheitspolitische Lage in einem Land? Welche Rolle spielt die Finanzierung der Medien? Wie ist die Situation in der Schweiz und welche Tendenzen, Chancen oder Risiken sind erkennbar?

    Diese und weitere Fragen wurden am 15. Februar am Polit-Forum Bern von namhaften Gästen diskutiert. Auf dem Podium sassen Georg Häsler, Sicherheitsexperte bei der NZZ, Ursula Gabathuler, Co-Chefredaktorin Audio/Digital SRF und Benno Zogg Chef Strategie und Antizipation beim Staatssekretariat für Sicherheitspolitik. Moderiert wurde die Veranstaltung von Olga Baranova, Déléguée speciale Medienpolitik beim VMZ.

    Die ganze Veranstaltung lässt sich hier nachsehen.