Nein zum medialen Kahlschlag. Warum der VMZ die Halbierungsinitiative vehement ablehnt.

Die SRG ist Teil unseres medialen Ökosystems und eine wichtige Garantin der medialen Landesversorgung. Wird sie geschwächt, löst das die Probleme der privaten Medienbranche nicht, sondern verschärft sie eher noch. Die Halbierungsinitiative zielt auf einen Grundpfeiler unserer Demokratie und ist somit auch ein Angriff auf unser demokratisches System.

Die Medien sind in der Dauerkrise: Ihre Vertriebserlöse sinken aufgrund des geänderten Nutzungsverhaltens, die Werbeerlöse wandern ab zu den grossen Techplattformen. Daraus ergibt sich insbesondere bei Konzernmedien eine zunehmende Medienkonzentration. Zentralredaktionen werden installiert, Entlassungen und Kündigungen nehmen zu.

Das hat Folgen. Eine sinkende Medienvielfalt führt nicht nur dazu, dass Medien ihre Kontrollfunktion immer schlechter ausüben können. Sie geht auch mit einer sinkenden Meinungsvielfalt einher. Dabei sorgen die komplexe geopolitische Lage sowie der massive Anstieg von «Fake News» sowohl für einen erhöhten Informationsbedarf der Bevölkerung als auch für ein sinkendes Medienvertrauen.

Die Zahl der «News-Deprivierten», also der Menschen, die keine oder kaum Nachrichten nutzen, nimmt Jahr für Jahr zu. 2025 lag sie dem Jahrbuch Qualität der Medien zufolge bei fast 47 Prozent.

In diesem krisenhaften Umfeld ist die SRG ein Anker der Stabilität. Sie stellt sicher, dass alle Sprach- und Randregionen der Schweiz und alle Bevölkerungsgruppen Zugang zu unabhängigen und qualitativ hochstehenden Informationen haben. Und sie schafft Vertrauen: Laut Reuters Digital News Report sind SRF News die vertrauenswürdigste Medienmarke für die Schweizer:innen. Dieses Medienvertrauen wirkt sich auf die gesamte Medienbranche positiv aus.

Kein Gewinn für Privatmedien

Kürzungen beim vertrauenswürdigsten Medium der Schweiz wirken sich nicht zugunsten der privaten Medien aus, wie oft angenommen wird. Laut einem Gutachten, das die Universität Fribourg 2025 zusammen mit der TU Dortmund und der TH Köln veröffentlicht hat, nutzen knapp zwei Drittel der Deutschschweizer:innen, die mindestens wöchentlich SRF News konsumieren, auch Onlineangebote von Zeitungen.

Empirisch gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem frei zugänglichen Angebot der SRG und der Zahlungsbereitschaft für Paid Content. Weder gibt es Forschungsergebnisse, die negative Effekte der Onlinetätigkeit der SRG auf die Zahlungsbereitschaft für Private aufzeigen, noch hat das SRG-Angebot im Rundfunk einen negativen Effekt auf die privaten Sender. Die öffentlichen Mittel fliessen nämlich vor allem in Information, Kultur, Bildung und fiktionale Eigenprodukte. Diese Bereiche sind für Private eher uninteressant.

Ganz im Gegenteil stärkt ein gut finanzierter und genutzter medialer Service Public nicht nur das Vertrauen in die Gesellschaft, sondern wirkt sich einer internationalen Vergleichsstudie1 zufolge sogar positiv auf die Zahlungsbereitschaft für journalistische Inhalte aus.

Was dagegen passieren würde, wenn die SRG ihr digitales Nachrichtenangebot einstellt, ist ebenfalls im Gutachten der Universität Fribourg zu lesen. Kostenpflichtige Angebote privater Nachrichtenanbieter würden auf dem Deutschschweizer Markt nur marginal von einer Abschaltung profitieren, so das Ergebnis. Sie hätten 9,4 Prozent Zugewinne. Viel mehr würden dagegen Gratismedien (52,8 Prozent) und Techplattformen (31,8 Prozent) profitieren.

Verluste bei der SRG sind Verluste für alle

Zudem sind die Interdependenzen im Markt hoch. Die SRG fördert in grossem Umfang Schweizer Musik, Literatur, Film, Theater und Volkskultur, und zwar in allen vier Sprachen. Eine Finanzierung über private Anbieter wäre aktuell undenkbar. Kürzt man die Mittel der SRG, führt dies zu Verlusten in den genannten Kulturbereichen. Ausserdem hängt laut einer makroökonomischen Analyse von BAK BASEL an jeder Vollzeitstelle bei der SRG eine weitere Vollzeitstelle in einer anderen Branche. Die Kürzung des Budgets würde also eine Verarmung des Kulturplatzes Schweiz nach sich ziehen.

Der in der Verfassung verankerte Auftrag der SRG besteht darin, zur Bildung und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung beizutragen, auf die Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone Rücksicht nehmen, die Ereignisse sachgerecht darstellen und die Vielfalt der Ansichten widerspiegeln. Wird das Budget der SRG so radikal gekürzt, wie es die Initiative vorsieht, kann sie diesen Auftrag nicht mehr erfüllen.

Der Verband Medien mit Zukunft lehnt die Halbierungsinitiative deshalb vollumfänglich ab.

  1.  Schranz, M., Schneider, J., & Eisenegger, M. (2016). Medienvertrauen – eine vergleichende Perspektive. Von University of Zurich: https://doi.org/10.5167/uzh-130928 abgerufen am 13. Januar 2026. ↩︎